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Persien in Wien-Döbling und das Zacherl-Imperium

Verantwortlicher Autor: Peter Markl Wien, 29.03.2018, 12:03 Uhr
Presse-Ressort von: planet Bericht 5133x gelesen
Die Fabrik in Wien-Döbling
Die Fabrik in Wien-Döbling  Bild: Peter Markl

Wien [ENA] "Der rechte Mann, der helfen kann oder Zacherl und sein Pulver .. “ so lautete ein beliebtes Lied bei den von Ungeziefer Befallenen in der ganzen k.u.k. Monarchie. Der österreichische Fabrikant Johann Zacherl, der eigentlich Zinngießer werden sollte, war eine der interessantesten Gestalten der Zeit.

Sein geheimnisvolles Insektizid „Zacherlin“, das er aus den Blättern einer aus Persien eingeführten Chrysanthemen-Art herstellte, machte ihn zum reichen Kosmopoliten. Ab 1870 wurde das Pulver bereits in der Fabrik in Wien in der Nußwaldgasse hergestellt. Er ließ außerdem Verkaufslokale in London, Paris, New York, Konstantinopel errichten. So wurde das Pülverchen auf der ganzen Welt als bestes Mittel gegen den Mottenfraß angepriesen und verkauft. Die Form der Chrysanthemen-Pflanze war auch ebenso formgebend für das an eine Moschee erinnernde Äußere der Fabrik in Wien Döbling, die zwischen 1892 und 1894 nach dem Entwurf von Mayreder erbaut wurde. Die Fertigstellung der Zacherlfabrik erlebte der Firmengründer nicht mehr. Er verstarb 1888.

Es übernahm sein Sohn Johann Evangelist Zacherl die Geschäfte und weitete sie aus auf die Reinigung, Reparatur und Aufbewahrung von Pelzen und Teppichen. Der straßenseitige Verwaltungstrakt der Fabrik zählt zu den seltenen Beispielen eines kommerziell motivierten orientalisierenden Historismus in der europäischen Architektur. Das wichtigstes Handelsgut „Zacherlin“ wurde von der Fabrik von Wien aus weiter in die ganze Welt geliefert, noch heute kann man es in Tiflis erwerben.

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