Dienstag, 13.11.2018 02:35 Uhr

Wie man Goethe zum Nazi machte - Vortrag im FDH

Verantwortlicher Autor: Michael Scheuermann Frankfurt am Main , 27.10.2018, 19:28 Uhr
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Frankfurt am Main [ENA] Viele Jahre betrieb der amerikanische Germanist W. Daniel Wilson die Goethe-Skandalisierung, u.a. im Rückgriff auf amtliche Protokolle seiner Zeit als Minister. Nach seinem soliden Buch "Goethe. Männer. Knaben" (Suhrkamp, 2012), in dem er die homoerotischen Verweise in Goethes Werk akribisch darlegt, referiert der seriös gewordene Professor über die Goethe-Gesellschaft Weimar in der Nazizeit (am 8. 11. 2018, 19 Uhr)

Grundlage der Ausführungen des Forschers ist sein viel gelobtes neues Buch (Titel: ‚Der faustische Pakt. Goethe und die Goethe-Gesellschaft im Dritten Reich‘ , DTV, 2018). Darin merkt Wilson kritisch an, dass sich die in der Gesellschaft lange gepflegte Sprachregelung, man habe mit der Gleichschaltung im Hitlerdeutschland den humanen Goethe zu retten versucht, nicht halten lässt. Man habe u.a. um wirtschaftlicher Vorteile willen zwischen 1933 und 1945 den Dichter als Vorläufer des Nationalsozialismus propagiert, prominente Nazis in den Vorstand berufen und jüdische Mitglieder aus der Goethe-Gesellschaft ausgeschlossen.

Für die Weimarer Goethe-Gesellschaft war die Modellierung des deutschen Dichterfürsten zum Nazi kein allzu großer Schritt, hatte man doch bereits vor der „Machtergreifung“ 1933 Goethe zum konservativen Nationalisten modelliert. Von dort aus war der Schritt zum „braunen“ Goethe nur ein kleiner. Der Titel des Vortrages von Professor Wilson lautet „Weltmission. Goethe-Bilder und die Goethe-Gesellschaft im Dritten Reich“. Die Veranstaltung findet am 8. November 2018, 19.00 Uhr, im Gartensaal des Goethe-Museums in Frankfurt statt. Der Eintritt zur Vortragsveranstaltung ist frei. Anmeldung unter 069-13880-0 oder mail@goethehaus-frankfurt.de.

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