Dienstag, 22.01.2019 14:44 Uhr

Amsterdam. Soviel mehr als Gouda, Gras & Grachten.

Verantwortlicher Autor: Thomas Schuster München, 21.12.2018, 15:44 Uhr
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#wastedinamsterdam
#wastedinamsterdam  Bild: Thomas Schuster

München [ENA] Wer Holland mag, wird Amsterdam lieben. Dabei finden sich gerade in der Vorweihnachtszeit und abseits der ausgetretenen Innenstadt-Wege, dem Red Light District, verrauchten Coffee-Shops und dem nahen Frikandel-Automaten ausreichend Möglichkeiten, einige Tage die Seele baumeln zu lassen.

Übernachten auf einem Hausboot ist zumindest ein ganz guter Anfang. Das meine nicht nur ich, das meint auch Marco, der Besitzer und Betreiber des B&B Houseboat between Amsterdam Windmills. Zugegeben ziemlich weit entfernt vom Schuss und deshalb mit einer gut 30minütigen Fahrt in die Innenstadt verbunden, dafür... sehr viel Wasser rundherum, Ruhe, Gastfreundschaft, ein zotteliger Haus(boot)hund zum Kuscheln und ein tolles Frühstück. Zugegeben nicht ganz billig, aber aus touristischer Sicht ist Amsterdam kein Schnäppchen. Auch hier nicht.

Natürlich fehlt im Anschluss die typische Grachtenfahrt nicht. Eine Stunde für 12 Euro Person lautet der Deal, dafür gutes Wetter, klare Sicht und interessante Information per Audio-Guide. Letzter erklärt im Übrigen auch, warum Häuser in Amsterdam a) sehr schmal und b) häufig leicht nach vorne geneigt sind. Interessante Geschichte, Wikipedia und Google gehen bei Interesse sicher gerne näher ins Detail. Danach Shopping. Nur etwas für Hartgesottene. Gouda im Kilo-Pack, Tuplenzwiebeln, Holzschuhe, Hasch-Kekse. Nö, heute nicht - der klassische Kühlschrankmagnet muss reichen. Dazwischen zur Einstimmung eine Frikandel aus dem Automaten. In Deutschland würde man dafür (völlig verdient) verprügelt, hier fällt das Grauen unter nationales Essgut.

Auch das "Amsterdam Light Festival" bleibt hinter den Erwartungen zurück. Hier eine beleuchtete Häuserwand, da eine überdimensionale Schreibtischlampe, dort eine künstlerisch fragwürdige Lampen-Orgie am nächsten Brückenpfeiler. Immerhin verlangt die Grachten-Fährgesellschaft nun gleich mal das dreifache für die Fahrt durch die dunkle Nacht - irgendjemand muss ja der Gewinner sein. Ganz offensichtlich ist das mittlerweile auch nicht mehr die Gegend um den Red Light District. Sünde sucht man überwiegend vergeblich, dafür findet man ein komplettes innerstädtisches Überholverbot, sehr viele Shops mit süßen Rauchwolken und mit viel Glück noch den größten jemals gesehenen Plastik-Dildo in einem Sexshop-Schaufenster. Herzlichen Glückwunsch.

Zweiter Tag, neues Glück, völlig andere Herangehensweise. Treiben lassen lautet heute das Ziel. Museen z.B. sind dabei ein probates Mittel, denn hier findet sich sicher für jeden Geschmack der passende Meister. Die moderne Garde um Bansky und Co. im Moco ist da eher meins, andere zieht es vermutlich eher zur klassischen Nachtwache von Rembrandt van Rijn ins Rijksmuseum. Danach folgt schwere und traurige Kost im Anne-Frank-Haus, allerdings nur für den Personenkreis, der sich Online rechtzeitig um Tickets für die bedrückende Ausstellung am Original-Ort des Versteckes und des Verbrechens kümmert. Schade, aber aufgrund der Besuchermassen wohl kaum noch anders zu handeln.

Ein Fußballspiel (Ajax - FC Bayern) später, natürlich nicht ohne einen großen Packen Stroopwafel und eine letzte extrem stattliche Portion Pommes Spezial, entlässt uns Amsterdam mit dem Spruch "all the light you see is from the past" in eisige und gemeine zwei Grad unter Null. Noch ein letzter Blick auf Hausboot, Hund, Gracht und Windmühle und nicht ohne das Versprechen: wir kommen gerne wieder.

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