Freitag, 22.03.2019 14:10 Uhr

Ich bin auch Deutscher - ICE696 Frankfurt-Kiel

Verantwortlicher Autor: Dipl. Ing. Marc Störmer Frankfurt am Main , 11.01.2019, 14:29 Uhr
Kommentar: +++ Reise & Tourismus +++ Bericht 5147x gelesen
Süßes Frühstück
Süßes Frühstück   Bild: Marc Störmer

Frankfurt am Main [ENA] Vor mir sitzen Zwei Mädel und bestellen sich ein „Süßes Frühstück“ Die Eine hat lockiges, blondes Haar, Sommersprossen überdecken ihre Wangen. Ihre Freundin, tiefschwarze Haut, die vollen Haare über dem Kopf zu einem überdimensionalen Dutt zusammengebunden. Für diese Uhrzeit ...

Für diese Uhrzeit sind die beiden ungewöhnlich heiter und albern herum. Der Herr am Tisch neben mir, zwar etwas kräftiger, aber doch adrett gekleidet, genießt gerade das frisch gebackene, warme Hörnchen. Versunken in meine Lektüre greife ich nach meiner Tasse heißen, schwarzen Kaffee, da steht er plötzlich neben mir. „Ihre Fahrausweise bitte!“, fordert er - für seine Verhältnisse - grob. Ein eher schmächtiger Typ. Dazu passend eine weiche, hohe Stimme und blondes, kurzes Haar, von Heiterkeit und morgendlicher Gelassenheit keine Spur.

Meine Bancard100 sichtet er mit skeptischem Blick, quittiert dann aber mit einem höflichen „Dankeschön.“ Dann wendet er sich dem etwas kräftigeren Herren am Tisch nebenan zu. Seine Bahncard50 liegt schon auf dem Tisch. Er zeigt auf eine Adresse die auf einem Zettel steht und sagt zu dem Schaffner: „Da möchte ich hin!“ Der Schaffner entgegnet leicht gereizt: „Ihre Fahrkarte bitte!“, worauf der Fahrgast erwiedert: „Sag ich doch! Da möchte ich hin.“ Da ist es auch schon zu spät. Die Situation ist dazu verdammt sich ungünstig weiterzuentwickeln. Alle anderen Fahrgäste sind mittlerweile Aufmerksam geworden. Der Tonfall auf beiden Seiten gibt klar zu verstehen: „Wir wollen uns jetzt nicht verstehen!“

Die beiden Mädchen vor mir albern weiter herum und bekommen von der Situation nichts mit. Plötzlich geht dem Schaffner ein Licht auf. "Achsooooo, Sie wollen eine Fahrkarte. Dann sagen Sie's doch gleich!" Verächtliche Blicke auf beiden Seiten. "Hab ich doch", entgegnet der Fahrgast gereizt. Weitere drei Minuten später, der Fahrgast bezahlt seine Fahrkarte und bedankt sich. Der Schaffner dreht sich um und geht weiter: "Keine Ursache, so macht man das hier bei uns, hier in Deutschland!" Jetzt platzt dem Fahrgast mit Migrationshintergrund der Kragen. "Ich bin auch Deutscher! Ich bin hier geboren, hier aufgewachsen und zahle hier meine Steuern, genau wie Sie!"

Noch einmal dreht sich der Schaffner um und bekräftigt seine Aussage: "Ja klar. Hier in Deutschland ist das eben so!"... als hätte er es nicht verstanden. Der Fahrgast winkt ab und erkennt, dass es keinen Sinn hat weiter zu diskutieren. Dann beißt er genüsslich in sein Hörnchen und schaut aus dem Fenster. Am Tisch vor mir, bei den beiden Mädchen die rumalbern. Die mit den Sommersprossen und das Mädchen mit der tiefschwarzen Haut. Beide übrigens deutscher als deutsch. Beide in Deutschland geboren und aufgewachsen und irgendwann nach dem Studium auch Steuern zahlend: "Ihre Fahrausweise bitte!" Wieder diese fordernde, weiche Stimme.

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