Dienstag, 11.08.2020 09:01 Uhr

CH - Generali Schweiz: 600 Jobs zu Indienfirma

Verantwortlicher Autor: Reto Turotti Zürich, 31.07.2020, 08:16 Uhr
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Zürich [ENA] Generali Schweiz: 600 Jobs zu Indienfirma - Geheimprojekt Pegasus: Versicherer plant Outsourcing zu indischer Tata Services, will unter Covid-Druck massiv sparen. Callcenter statt Berater. Der Schweizer Ableger der italienischen Grossversicherung Generali steht vor einem Riesenabbau. Rund 600 der 1’800 Backoffice-Stellen in Adliswil ZH und Nyon am Genfersee könnten verschwinden.

Neu würden sie in einer eigens gegründeten Tochter der indischen Tata Consultancy Services, kurz TCS, landen, welche die Arbeiten erledigt. Für die Kunden hiesse das Schlange stehen im Callcenter. Hintergrund des Geheimprojekts unter dem Codenamen Pegasus, das weit fortgeschritten ist, ist der Druck aus der Zentrale in Triest. Trimmt bis 2025 die Kosten um jährlich 50 Millionen, so die Forderung an die Schweiz. Mit Pegasus, mit dem die Informatik sowie die telefonische Kundenbetreuung und weitere Backoffice-Arbeiten zur TCS wechseln sollen, würden über 30 Millionen, also der Löwenanteil, eingespart werden. Der Plan ist das Resultat einer strategischen Überprüfung in Zeiten von Tiefzins, teurer IT und Operations,

nun noch erschwert durch Covid. Es gebe „dringend Handlungsbedarf“, lautet der Befund. Ein Verkauf von Generali Schweiz, der wohl auch zur Debatte gestanden hatte, kam nicht zustande. Es zeigte sich, wie es scheint, dass kein Interessent genug für die Schweizer Generali geboten hat. Diese floriert im Sachgeschäft, leidet aber bei den Lebensversicherungen. Dort machen Finma-Vorgaben das Business unrentabel. Der Ausweg mittels umfassendem Outsourcing führt zu neuen Dimensionen in der Schweiz. Dass ein renommierter Multi mit langer Tradition aufs Mal einen Drittel seiner Belegschaft auslagert, hat es kaum je gegeben. Der neue Partner TCS stammt aus Indien. Mit Headquarter in Mumbai, dem einstigen Bombay und heutigem Wirtschaftszentrum

auf dem Subkontinent, gehört die TCS zu den führenden Insourcern. So nennt man das Verschieben von Massenarbeiten aus Sicht der Servicefirma. Andere bekannte Anbieter in Indien sind Infosys und Wipro. In den USA zählt Cognizant zu den Grossen der Branche; das Unternehmen wurde von einem Sri Lanka-Amerikaner gegründet. Alle Insourcer versprechen vor allem eines: günstigeres Arbeiten. Projekt Pegasus liegt laut Informationen fixfertig vor. Im September wird klar, in welchen Abteilungen wie viele Stellen zur TCS ausgelagert werden. Ende Oktober sollte dann nach heutigem Pegasus-Fahrplan alles bereit sein, damit der VR der Gruppe in Triest grünes Licht geben kann. Ziel ist, mit dem Abbau teurer Jobs in den beiden Zentralen in

den Kantonen Zürich und Waadt Kosten einzusparen. Laut den Plänen will die Generali Schweiz gut 10 Prozent der jährlichen 300 Millionen Franken Aufwände einsparen. Weitere knapp 20 Millionen sollen anderweitig verschwinden. Nach dem Big Outsourcing wäre die Generali Schweiz eine Firma ohne IT, mit viel ausgelagerter Telefonberatung und wenig eigener Administration. Sie würde weitgehend zu einer Marketing- und Frontorganisation. Der Umbau würde völlig neue Masstäbe setzen. Generali Schweiz betreut ein Versicherungs-Volumen von insgesamt gut 2 Milliarden Franken. Die Verlagerung der Jobs trifft zahlreiche langjährige Mitarbeiter, darunter auch ältere. Was aus ihnen werden soll – ob sie bei TCS bleiben können und zu welchem Lohn -, ist offen.

Pegasus spricht von möglichem Sozialplan. Die Kunden der Generali müssen sich auf einen anderen Service einstellen. Im Fall, dass der Plan in die Tat umgesetzt wird, werden sie zumindest teilweise nicht mehr klassisch von Generalagenten betreut. Sondern es läuft fast alles über grosse Backoffice-Zentren, betrieben von der TCS. Diese hatte als Vorzeigekunden unter anderen die Postfinance gewonnen. Die Bank von Bern kaufte ihre neue IT bei der TCS. Sollte die Generali Schweiz den Indern im Herbst tatsächlich ihr Backoffice übertragen, dann wäre das ein eindrücklicher Erfolg für die TCS. Diese ist laut eigenen Angaben seit 35 Jahren in der Schweiz. Ihre beiden Standorte befinden sich in Zürich und in Nyon.

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